Info-Abend: Wohnbaukosten halbieren, doppelt so viele Wohnungen bauen: So geht's

06. Februar 2026

Was ist der Unterschied zwischen dem Petersdom und der Klinikum Großhadern?

Was beginnt wie ein Witz, hat zwar eine Pointe aber auch einen ernsten Hintergrund. "Der Petersdom steht noch weitere 500 Jahre, das Klinikum wird abgerissen", löst Ernst Böhm auf und ordnet das gleich – passend zum Dom – als "Todsünde" ein. Dass man keine Nachnutzung für den Bau gefunden habe, und damit alle Energie und Ressourcen vergeude, die in den Bau geflossen seien, dass will ihm nicht in den Kopf, er will es besser machen. Der Bauunternehmer rechnet bei der SPD-Infoveranstaltung "Bezahlbar Bauen und Wohnen" im Gasthaus "Zum Kelten" ein Konzept vor, wie man seiner Meinung die Kosten im Wohnbau halbieren und damit die Wohnfläche perspektivisch verdoppeln könne. Und dazu gehört eben nicht der Abriss, sondern die Idee, zuerst bestehende Gebäude aufzustocken, bereits erschlossene Flächen wie Parkplätze zu überbauen oder auch mal Gewerbe in Wohnungen umzuwandeln. Den vergnügten Zuhörern seines launigen Vortrags präsentierte er jeweils Bildern von gelungenen Beispielen dieses Vorgehens.

Als Jurist ist Böhm klar, dass das nicht in jedem Fall mit den bestehenden Vorschriften umzusetzen ist. aber an die will er ebenso ran: Veraltete Verordnungen und Förderrichtlinien sind für ihn Teil des Problems, allen voran die Gewerke-Trennung, die eher mittelalterliche Zünfte im Blick habe als modernes Bauen. Auch beim Kirchheimer Gymnasiumsbau sei sicher Gewerke-Trennung vorgeschrieben, ruft er Bürgermeister Stephan Keck zu, der im Publikum sitzt. Der winkt ab: "Ach Gott! Allein 14 Elektriker!", ruft dieser zurück. Für Böhm ist es nicht mehr zeitgemäß, dass beim Bau eines Badezimmers Fliesen, Elektrik oder Armatur von unterschiedlichen Betrieben kommen müssten: "Alle Krankenhäuser, alle Hotels bestellen heute Fertigbäder, weil es die Hälfte kostet und keine Probleme gibt." Nur die öffentliche Hand müsse ihre Bäder als Gewerke ausschreiben.

In diesem Stil geht Böhm weiter durch die Punkte seines Konzeptes, das auch niedrigere Steuern, absolute statt relative Förderbeträge und weniger strenge Standards vorschreibt: "In den letzten 30 Jahren ist in Deutschland kein einziges Kind durch durch einen Brand in einer Schule zu Schaden gekommen." Trotzdem würden die Vorschriften immer strenger, was "Milliarden" koste. Böhm rät Kommunen dazu, vom "Bauturbo" Gebrauch zu machen, der unter Federführung von SPD-Bauministerin Verena Hubertz eingeführt worden ist. Der „Turbo“ sieht Erleichterungen bei der Genehmigung von kommunalen Wohnbauprojekten vor – teils sogar ohne Bebauungsplan. Das Problem hier sei, so Böhm, dass Verwaltungen noch zu wenig Erfahrung damit hätten.

Am Ende summieren sich seine Schätzungen auf genau die 50% Kosteneinsparungen, der er für den Vortrag postuliert hat. Die Zuhörer hatte nicht nur einen unterhaltsamen Vortrag mitgenommen. Wie man dem folgenden Austausch zwischen SPD-Gemeinderätin Michaela Harlander und Bürgermeister Stephan Keck heraushört, dann gewinnt man schnell den Eindruck, dass sein Vortrag auch Bau-Beratung war, die in Kirchheim bald ganz konkret Anwendung finden könnte.

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